v.l.n.r.: Claire Horst, Sarah Wendler und Dagmar Lettner vor einer Wortwolke aus den Rückmeldungen zum Workshop

Die Verwaltungsdienste des Jugendamtes sind ein wichtiger Player im Unterstützungssystem. Dazu gehören die wirtschaftliche Jugendhilfe, die Tagesbetreuung und die Kitaqualitätssicherung.

Die Kolleg*innen sind unter anderem für die Bearbeitung der Anträge auf Leistungen zuständig: Sie prüfen und setzen Entscheidungen um. Und von ihren Entscheidungen sind die Familien direkt betroffen.

Umso schöner, dass der gesamte Bereich Verwaltungsdienste des Bezirksamts Lichtenberg an einem Workshop zum Thema Armutssensibilität teilgenommen hat. Denn auch, wenn der Entscheidungsspielraum durch gesetzliche Vorgaben klar definiert ist, kann die persönliche Haltung einen Unterschied bedeuten. Zu einer Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Haltungen und ihren Auswirkungen hatte Sarah Wendler, die bezirkliche Koordinatorin der Armutsprävention, eingeladen.

Nach einem Impuls zu Armutslagen – Daten, Ursachen, Folgen von (Kinder-) Armut – durch Sarah Wendler ging es ans Eingemachte: Wie wird das Thema Armut eigentlich gerahmt? Wie wird es medial verhandelt, wie in der Politik, wie rahmen wir es in persönlichen und in fachlichen Gesprächen? Wie könnten wir es noch rahmen?

rote Karte: Menschen in Armut leben von meinen Steuergeldern

rote Karte: So wird häufig über armutsbetroffene Menschen gesprochen und gedacht.

grüne Karte: Steuergelder sind für alle da - alle leben davon

grüne Karte: So kann es noch gerahmt werden

Auf den Vortrag dazu folgte eine Übung, die durchaus zu kontroversen Diskussionen führte. Genau das ist das Ziel: Wir brauchen Austauschräume, in denen die verschiedenen Perspektiven auf Armut, auf Betroffene aufeinandertreffen können.

Was denken wir wirklich über Armut? Wer wird dazu gefragt? Wer entscheidet darüber, wann ein Unterstützungsbedarf gegeben ist? Wer wird nicht gefragt? Welche Folgen hat das?

Und, ganz konkret, welche Möglichkeiten gibt es, die Arbeit (noch) sensibler für die individuellen Lagen der Familien auszugestalten?

Impulse aus der Diskussion

Impulse aus der Diskussion

Uns zeigte die Diskussion vieles:

Es macht einen Unterschied aus, ob sich ein Team einen ganzen Tag Zeit für den inhaltlichen Austausch nehmen kann und darf. Hier findet nicht nur Wissensvermittlung statt, sondern wichtige Vernetzung und Kennenlernen. Das braucht es, damit vertrauensvoll diskutiert werden kann. Gelernt haben wir auch, dass es durchaus Ermessensspielräume gibt – und das diese je nach Haltung auch unterschiedlich genutzt werden.

Wir freuen uns, dass eine offene Diskussion stattfinden konnte und hoffen, dass die Debatten weitergehen!