Als systemische Prozessbegleitungen der Berliner Strategie haben wir die Aufgabe und Rolle, die Prozesse in den Berliner Bezirken voranzubringen. Wir werden nicht müde zu betonen, dass es nicht nur ein fachliches Zusammendenken und Umsetzen von Projekten ist, sondern dass es darum geht, Spielregeln der Zusammenarbeit auf allen Ebenen zu verändern. Was genau wir damit meinen oder meinen könnten, das fanden wir in der Arbeit von Julia Borggräfe überaus treffend beschrieben.
In ihrem Buch „Bürokratopia – wie Verwaltung die Demokratie retten kann“ steigt sie als Juristin, systemische Organisationsentwicklerin und mit Verwaltungserfahrung tief in das Herz von Verwaltung und Demokratie ein. Es ist ein Buch, das sich schlecht allein lesen lässt, da es so viel Wunsch nach Austausch auslöst: Die Problembeschreibung liest sich oft so anschaulich schmerzhaft, dass ich das Buch beiseitelegen musste – um anschließend mit jemandem über ihre handfeste Lösungsansätze zu sprechen. Ja, wir brauchen eine gute Verwaltung, die den komplexen Herausforderungen unserer Zeit vorausschauend und fachkundig begegnen kann, mehr denn je. Ja, es gibt so viele gute und engagierte Kolleg*innen, die hier arbeiten!
Kennengelernt haben wir Julia Borggräfe auf verschiedenen Podien, zum Beispiel bei Phineo. An dieser Stelle drei ihrer Punkte, aus meiner Perspektive erzählt:
- Verwaltung hat eine so eine zentrale Rolle auch für die Demokratie, da sie eine große Berührungsfläche des Staates mit seinen Bürger*innen darstellt. Bei Besuchen z.B. im Bürgeramt haben beide Seiten Berührung miteinander. Hier zeigt sich das Wirken des Staates. Wenn das nicht gut oder unprofessionell, hochbürokratisch, läuft, können Bürger*innen das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Staates verlieren.
- Politik macht Gesetze, die oft an den Möglichkeiten von Verwaltungen vorbeigehen: Es ist oft nicht möglich, die Dinge so umzusetzen, wie sie mit bester Absicht verabschiedet wurden. Diese „starken Gesetze“ sind nun oft die Aushängeschilder/Erfolgsgeschichten der Politik. Es braucht daher Runden, in denen mit Verwaltungsperspektive und -expertise erarbeitet werden kann, wie Gesetze und Programme genau dahin wirken, wofür sie gedacht sind. Es geht nicht ohne Co-Creation und gemeinsames, beteiligungsorientiertes Entwickeln, direkt von Anfang an und mit agilen Formen der Zusammenarbeit. Verwaltung sollte Politik selbstbewusst stärkere Angebote machen: „So können wir es umsetzen, was ihr wollt“.
- Zentral beschreibt sie auch, wie wichtig gute Zukunftsvisionen davon sind, wo wir als Gesellschaft HIN wollen. Weg vom Frust, den auch wir mit Politik und Verwaltung haben – hin zu Machbarem: Wenn (auch durch Medien) Politik und Verwaltung kritisiert werden, bedienen wir damit im schlechtesten Fall die Narrative der Rechtspopulisten zum nicht funktionierenden Staat. Hier ist es wichtig, genau auf den richtigen Frame zu achten.
Von daher: eine Empfehlung zum Lesen und zum Mitdiskutieren mit uns und anderen, optimistisch bleiben und handeln. Nur so kann sich auch ein Szenario entfalten, wie wir es uns wünschen!
Für alle, die für die Demokratie gekämpft haben.
Für alle, die sie aktuell verteidigen
Für alle, die die zukünftig in ihr leben wollen.
(Julia Borggräfe)
Julia Borggräfe: Bürokratopia. Wie Verwaltung die Demokratie retten kann
erschienen am 20. März 2025
144 Seiten. 2. Auflage.
Print 18,– € / E-Book 15,99 €
ISBN 978-3-8031-3756-2
Verlag Klaus Wagenbach
Eine Empfehlung von Dagmar Lettner





