In loser Folge stellen wir in Zukunft die Personen vor, die in den Berliner Bezirken integrierte Strategien zur Prävention von Kinder- und Familienarbeit auf- und ausbauen. Den Anfang macht Victoria Aharonov. Sie ist Koordinatorin für Kinder- und Familienarmutsprävention in Mitte. Ihre Stelle ist dem Stab des Stadtrats für Jugend, Familie und Gesundheit, Christoph Keller, zugeordnet.

Was ist deine liebste Kinderbuchfigur und was magst du an ihr?
Als meine Lieblingsfigur würde ich den Fuchs aus „Der Kleine Prinz“ von Saint-Exupéry wählen. Er hat dem Kleinen Prinzen etwas beigebracht, das oft vergessen wird, obwohl es so grundlegend ist. Besonders seine Gedanken über Beziehungen berühren mich sehr.
Ich arbeite gerade in einem Projekt des Gesundheitsamts zum Thema Einsamkeit. Dabei wird deutlich: Viele Menschen – unabhängig von Alter oder sozialem Hintergrund – fühlen sich einsam. Sie wünschen sich Nähe, Freundschaft oder Liebe, vergessen aber oft, dass man, um etwas zu bekommen, auch bereit sein muss, etwas zu geben.
Der Fuchs sagt, dass man, um Freunde zu „zähmen“, Zeit und Geduld investieren muss. Beziehung ist keine Ware, die man einfach besitzen kann. „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“
In einer Welt, in der man nach dem perfekten Partner sucht und Menschen nach links oder rechts wischt, entsteht leicht die Illusion, dass es irgendwo den „fertigen“, perfekten Menschen gibt. Aber ein geliebter Mensch entsteht erst durch unser Tun. So wie der Fuchs sagt: „Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, macht deine Rose so wichtig.“ Sie wird dadurch einzigartig, dass du sie gegossen hast. Alle anderen Rosen mögen gleich aussehen, aber sie bedeuten dir nichts. Für die anderen Rosen würdest du nicht sterben. Das ist ein Commitment – für die Liebe muss man sterben können.
Warum hast du die Koordination der Kinderarmutsprävention in Mitte übernommen? Was gefällt dir an dieser Rolle?
Ich habe mich für diesen Traumjob entschieden, weil man dadurch die Welt ein Stück besser machen kann. Auf Hebräisch nennt man dieses oberste Gebot „תִּיקּוּן עוֹלָם – Tikun Olam“, was so viel bedeutet wie „die Welt reparieren“. Jede und jeder trägt dazu bei, so viel er oder sie gerade kann – und so wird die Welt dadurch immer ein bisschen besser.
An dieser Rolle gefällt mir besonders, dass ich Gestaltungsspielraum habe und kreativ sein darf. Und weil es um Kinder geht: Kinder sollten gerechte Chancen nicht erst verdienen müssen – diese sollten ihnen bedingungslos zur Verfügung stehen.
Was ist deine Vision für den Bezirk? Was soll in 5 Jahren anders sein?
Diese Aufgabe – gleiche Chancen herzustellen – liegt bei der gesamten Gesellschaft. Meine Vision für den Bezirk Mitte in fünf Jahren ist ein gemeinsamer, abgestimmter Einsatz aller Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung – für eine handlungsfähige, selbstbestimmte und solidarische Gemeinschaft, in der soziale Mobilität verlässlich funktioniert.





