Zwei Referentinnen eröffneten den Fachtag mit unterschiedlichen Perspektiven auf Armut:

Undine Zimmer teilte eine autobiographische Sicht auf Familienarmut: „Das Unangenehme, das Unsagbare und die unsichtbaren Platzanweiser“.

Gerda Holz bot in ihrem Vortrag eine Klärung von Armutsbegriffen:

Armut ist mehr als der Mangel an Geld. Denn Armut…

  • ist immer zuerst Einkommensarmut
  • ist eine Lebenslage, die die Spielräume einschränkt
  • führt zur Unterversorgung
  • führt zu sozialer Ausgrenzung
  • hat ein spezifisches Kindergesicht

Der Fachtag war angelegt als Verbundfachtag der Jugendhilfe und Schule und richtete sich an die Tridem- und Tandemfachkräfte (Schulsozialarbeitende, Lehrkräfte und Erzieherinnen) im Landesprogramm sowie an alle Fachkräfte der schulbezogenen Sozialarbeit an den Schulen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.

Nach den Vorträgen stellte die Koordinatorin für Familienförderung im Jugendamt die bezirklichen Fakten zur Armutssituation von Familien vor.

Das SIBUZ Marzahn-Hellersdorf präsentierte die Ergebnisse der regionalen Einschuluntersuchungen.

Im Anschluss waren die Teilnehmenden eingeladen, in Workshops zu folgenden Themen zu arbeiten:

  • Armutssensibilisierung sowie Chancenverbesserung im Kontext Schule: Hier ging es um materielle Armut bzw. prekäre Lebensverhältnisse und deren mögliche Folgewirkungen für den Bildungserfolg, die körperliche und psychische Gesundheit und soziale Sicherheit.
  • Emotionale Vernachlässigung: Junge Menschen wachsen teilweise trotz materiellen Überflusses in einer Beziehungsarmut auf, was zu psychischer Belastung und Entwicklungsdefiziten führen kann.

Eine Rückmeldung der Teilnehmenden war, dass Fachveranstaltungen bisher hauptsächlich von den Schulsozialarbeiter*innen besucht werden. Politische Entscheidungsträger*innen gehören aber ebenso in diese armutssensibilisierenden Zusammenkünfte. Lehrpersonal sollte sich an einer gelingenden Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeiter*innen mehr beteiligen (können). Es braucht ein intersektionales Miteinander, um perspektivisch sowohl Armutsfolgen zu identifizieren, gemeinsam diese höher zu gewichten und damit nachhaltig dem derzeitigen Trend insbesondere in den Wohnsiedlungen im Bezirk abzumildern. Ein weiteres Fazit: Armut hat viele Gesichter. Es gibt kein spezifisches Armutsgesicht. Die Fragestellung muss daher lauten: „Wie kann es uns gesellschaftlich besser gelingen, ein kindzentriertes Wohlergehen aller Kinder stärker in den („Entscheider-) Blick zu bekommen?“